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Der Herzogstuhl und seine lustvolle Geschichte

Fachwerk in Kleineuntersdorf

Etwas seltsam sieht es auf seinem hohen Sockel aus Stein schon aus - das als "Herzogstuhl" bezeichnete Jagdschlösschen auf dem Rieseneck. Gerade so, als ob der Sockel nachträglich erst ausgegraben oder als ob es ein Wasserschloss wäre und eben mal das Wasser abgelassen wurde. Doch das ist bei dem auf der Gemarkung der Gemeinde Kleineutersdorf im thüringischen Saale-Holzland-Kreis sich befindende Gebäude keineswegs der Fall. Vielmehr hat es in dem Topplerschlösschen in Rothenburg ob der Tauber sogar noch ein berühmtes Vorbild. Erbaut wurde es von 1915 bis 1917 durch Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg. Der für seine amourösen Abenteuer bekannte Herzog nutzte es als Jagdhaus und vor allem als "Lustschlösschen" für seine Schäferstündchen. Eigens dafür ließ er von seiner Herzogsuite aus eine Geheimtür einbauen, durch die dann die Mätresse bei "Gefahr" (vor allem in Form der Gemahlin) die Gemächer über eine enge Wendeltreppe fluchtartig verlassen konnte.

Fachwerk in Kleineuntersdorf

Eine lange und intensive Nutzung durch den Herzog war dem Gebäude jedoch nicht beschieden. Bereits während des Zweiten Weltkrieges wurde das Schlösschen durch einige Wehrmachtsangehörige als Versteck genutzt. Nach dem Krieg war das Gebäude zum Beispiel Heimat eines Schuhfabrikanten und der Gewerkschaft, bevor es 1954 als Volkseigentum dem damaligen VEB Carl Zeiss Jena übereignet wurde. Auch nach der Wende war das Gebäude zunächst weiterhin im Besitz von Carl Zeiss Jena, ehe es 1992 von der Kommune gekauft und dem Freundeskreis Rieseneck e.V. zur Nutzung und Erhaltung übergeben worden.

Fachwerk in Kleineuntersdorf

Dieser führte unter Anleitung des Thüringer Denkmalpflegeamtes von 1997 bis 2000 eine umfangreiche Sanierung von Fassade und Dach durch. Dabei mussten auch mehrere zerstörte Balken ausgetauscht werden, um eine sichere Statik zu gewährleisten. Auch die marode Wetterfahne sollte ausgetauscht werden. Dabei stieß man auf Überraschendes, denn in der zur Wetterfahne gehörenden Kugel fand man eine noch unversehrte Hülse. Darin befanden sich zwei Zeitungen aus dem Jahr 1922, Notgeld der Städte Altenburg und Orlamünde, eine vom Herzog Ernst II. unterzeichnete Urkunde sowie eine Aufstellung der am Bau beteiligten Arbeiter, Meister und Lieferanten. Die Dokumente wurden beim Einbau der restaurierten Wetterfahne unter Zugabe einer örtlichen Zeitungsausgabe und einem Bericht über die Restaurierung der Fassaden sowie des Daches wieder der Kugel beigegeben. Alles natürlich wieder in einer Hülse verschlossen.

Fachwerk in Kleineuntersdorf

Interessant ist übrigens auch die Umgebung des Schlösschens, liegt es doch mitten in der Jagdanlage "Rieseneck". Sie wurde 1712-27 errichtet und löste einen hölzernen Vorgängerbau aus dem Jahre 1620 ab. Die Anlage hat etwas Einmaliges: Durch ihre unter- und oberirdischen Gänge konnte der Herzog von Sachsen-Altenburg mit seinem Gefolge das in einem großen Gatter gehaltene Wild unbemerkt umgehen und es auf diese Weise von hinten beobachten und erlegen. Die Jagdanlage Rieseneck kann jederzeit kostenlos besichtigt werden. Das auf der Abbildung zu sehende kleine Fachwerkhäuschen ist Bestandteil dieser Anlage.

Mehr Informationen über den Herrensitz und die Jagdanlage finden Sie auf der Website des Freundeskreises Rieseneck e.V.

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