Salzkotten und der Bürgersinn


Wer über die B1, die Salzkotten durchschneidet, in Richtung Paderborn weiterfährt, ohne sich in dieser liebenswerten Stadt umgesehen zu haben, dem wird einiges entgehen. Da sind zunächst einmal auf der B1, die in Salzkotten den Namen Lange Straße trägt, drei wunderschön und aufwendig restaurierte Fachwerkhäuser, allen voran ein historischer Ackerbürgerhof, in dessen Scheuneneinfahrt nebst ehemaligen Stallungen sich Deutschlands schönstes Café etabliert hat (jedenfalls in der Meinung unserer Redaktion): das Café Hölter auf der Langen Straße 33, dessen Interieur äußerst geschmackvoll dem Flair des Fachwerkgebäudes angepaßt wurde.
Aufwendig restaurierte Fachwerkhäuser an der Langen Straße
Die B1 wird über die Heder geführt, ein kleiner Fluß, an dem ein mächtiges Wasserrad rauscht und an dessen Gestade ein rühriger Heimatverein eine historische Ölmühle verpflanzt hat, die ebenfalls per Wasserkraft angetrieben und für Vorführzwecke jeden ersten Sonntag im Monat um 11 und um 15.30 Uhr in Betrieb gesetzt wird. Hinter der Ölmühle eine Holzschumacherwerkstatt und eine historische Backstube, beides Fachwerkgebäude, die derzeit restauriert werden.
Gebäude Café Hölter
Fachwerklich-mittelalterlich wird's freilich im eigentlichen Stadtkern, wo sich an der Vielser Straße weitere Ackerbürgerhäuser befinden (die meisten fachkundig restauriert) und wo sich an der St. Johannes-Pfarrkirche die Fachwerk-Gaststätte Rötz zum "Heimathaus" gesellt. Das ist ebenfalls aus Fachwerk und wurde, wie könnte es in Salzkotten auch anders sein, ebenfalls durch den Heimatverein saniert. Mit viel Engagement hat der inzwischen im Ruhestand lebende Arzt Dr. Walter Hemmen um den Erhalt der Salzkottener Fachwerkhäuser gekämpft, wenn er auch nicht verhindern konnte, daß eines der schönsten abgerissen und in Wiedenbrück wieder aufgebaut wurde, um den dortigen Fachwerkbestand aufzuwerten.
Die Salzkottener Bäcker und Konditoren scheinen ein besonderes Faible für alte Fachwerksubstanz zu besitzen. Jedenfalls wird derzeit gegenüber dem Rathaus ein wunderschönes Fachwerkhaus von alten Putzschichten befreit und aufwendig saniert, auf daß hier bald das Café Lange einziehen kann. Salzkotten hat seinen Reichtum, von dem die alten Fachwerkhäuser zeugen, der Salzgewinnung zu verdanken. Ein Gradierwerk, eigens zu Demozwecken wieder aufgebaut, erinnert an die Blütezeit der Stadt. Zweimal brannte Salzkotten aus, anno 1340 und dann 1633 im 30-jährigen Krieg, wobei wunderschöne Fachwerk-Bürgerhäuser auf immer verloren gingen. Nun ist der Salzkottener Bürgersinn aber ungebrochen und man würde, allen voran die Schützen, die Stadt auch ein drittes und viertes Mal wieder aufbauen.

Ausflugsziele in der Nähe:

Soest und seine Fachwerk-Altstadt (25 Min.), Lippstadt mit schönen Fachwerkbauten (15 Min.), Paderborn mit seinem Dom und lauschigen Ecken an der Pader (25 Min.), Geseke mit einigen wunderschönen Fachwerk-Ensembles (5 Min.).
Fachwerk-Ensemble
auf der Vielser Straße
Gaststätte Rötz,
dahinter das Heimathaus
Hotels: Hotel Walz, Paderborner Str. 21, Tel. 0 52 58 - 988-0
Hotel Westfälischer Hof, Lange Str. 4, Tel. 0 52 58 - 9 86 10
Hotel Feldschlößchen, an der B1 im benachbarten Geseke, Tel. 0 29 42 - 98 90

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