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Das Rathaus der Stadt Nassau und seine wechselhafte Geschichte |
| Wer in der deutschen Geschichte belesen ist, kennt Nassau als Sitz der Stammburg der Grafen und Herzöge von
Nassau und vor allem als Geburtsort des Reichsfreiherrn Karl von und zum Stein. Wer sich mehr für den Nahtourismus interessiert, kennt
Nassau an der Lahn als reizvolle Kleinstadt, die man per Rad oder Kajak anfährt bzw. "anpaddelt". Und nicht wenige durchwandern von hier
aus die Höhen des Westerwalds. Dies soll gesagt werden, denn ein wenig Werbung wollen wir doch für diese Stadt machen, deren
1. Beigeordneter Karl-Heinz Schönrock uns in bemerkenswerter Weise mit einem Beitrag über den "Adelsheimer Hof" versorgt hat. Womit
wir beim Thema Fachwerk wären. Denn dieser "Hof" beherbergt heute eines der schönsten und romantischsten deutschen
Fachwerk-Rathäuser. |
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| Das Rathaus am Marktplatz gegenüber dem Steinschen Schloß ist das schönste und größte
Fachwerkgebäude der Stadt. Es ist fast 400 Jahre alt und wurde 1607/09 unter Junker Adam vom Stein erbaut, einem Vertreter der
jüngeren Steinschen Linie, die sich unter den Söhnen Johanns III. vom Stein zwischen 1395 und 1427 abgespalten hatte. Als diese Linie
1701 im Mannesstamm ausstarb, ging der imposante Fachwerkbau in den Besitz eines Verwandten über und fiel an Christof Albrecht von
Adolzheim. Aus "Adolzheim" wurde "Adelsheim" und so ist der Name "Adelsheimer Hof" noch heute gebräuchlich, wenn es auch in ganz anderen
Gegenden Deutschlands Hotels gibt, die sich auch "Adelsheimer Hof" nennen. |
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| Ein Hotel oder Restaurant war der Nassauer "Adelsheimer Hof" nie, obwohl es hier zeitweise auch um Lebensmittel ging.
Die Chronik weiß nämlich zu berichten, dass die Herren von Adelsheim dieses Haus an zwei Hofleute verpachteten, die um 1750 neben
einem Geldzins auch "drei Malter Korn und Hafer, Butter, Hähne und Eier" als Pacht zu entrichten hatten. |
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| Im Laufe der Jahrzehnte ging das Gebäude an die Stadt Nassau, die hier von 1872 bis 1911 eine Realschule
unterbrachte. Als 1911 die Real- und die Volksschule in eine neugebaute Stadtschule zogen, beschloß der Rat, den "Adelsheimer Hof" in
Zukunft als Rathaus zu nutzen. Der Beschluß war in doppelter Hinsicht weise, folgte ihm doch eine umfangreiche Renovierung unter Leitung
des damaligen Bezirkskonservators Prof. Ferdinand Luthmer aus Wiesbaden. Unter ihm wurde das bis dahin unter Putz verborgene Original-Fachwerk
wieder freigelegt. Die reichen Schnitzereien an den Eckpfeilern der Erker, am südlichen Anbau und am Osteingang entstammen der
Erbauungszeit und gehören zu den besten ihrer Art im Rheinland. |
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| So kamen die Nassauer zu einem "neuen" Rathaus und für die deutsche Baugeschichte wurde wieder sichtbar, mit
welcher Kunstfertigkeit die Nassauer Zimmerleute vor 400 Jahren ans Werk gegangen waren. |
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| In den letzten Kriegstagen, im März 1945, wurde der "Adelsheimer Hof" stark beschädigt. Einige Hözer
mußten erneuert, einige Gefache neu ausgemauert werden - aber das Gebäude als solches wankte nicht. Freilich wurde das schöne
Hofportal von 1664, ein gequadertes Bogentor zwischen Pilastern mit Wappen und Obelisken, unrettbar zerstört. |
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| Nach Gründung der Verbandsgemeinde Nassau (1972) wurde das Nassauer Rathaus Verwaltungssitz des nunmehr stark
vergrößerten Gemeinwesens, in das etliche Dörfer der Umgebung einbezogen worden waren. Der Nassauer Stadtbürgermeister
waltet hier weiter seines Amtes, Stadtbücherei und Verkehrsamt zogen in andere Gebäude um. 1978 wurde noch einmal behutsam Hand an
das Bauwerk gelegt: Die dunkelbraunen Schwellen, Rähme und Riegel erhielten ganz im Stil der Erbauungszeit einen leuchtend-roten Anstrich
mit Ochsenblutfarbe, während sich die Gefache in reinem weiß zeigen. |
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| In Nassau gibt es viel zu fotografieren an historischem Bauwerk und landschaftlicher Idylle. Das beliebteste Motiv ist
der "Adelsheimer Hof". Und wird es wohl noch einige Jahrhunderte bleiben. Denn wie man weiß: Fachwerkhäuser halten ewig! |
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