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Horizontalsperre aus Chromstahl nachträglich eingebaut


Schadensbild und -ursachen
Horizontalsperre durch Stahlplatte
Einschlagen der Platten
Sanierputz
Erfolgskontrolle
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk zu unterbinden und zu beseitigen. Dazu gehört die nachträgliche Einbringung einer Horizonalsperre aus Chromstahl, hier dargestellt anhand der Sanierung eines Wachhauses an Schloß Poppelsdorf in Bonn. Auch für Nicht-Schloßbesitzer ist das Thema von großer Wichtigkeit, denn feuchte Mauern gehören zu den größten Problemfällen in Altbauten. Günter de Graaf (www.degraaff.de), Bauassessor und Vereidigter Sachverständiger, schildert hier eine Fall aus seiner Praxis.
Schadensbild und -ursachen
In allen Räumen war die Feuchtigkeit in den Wänden bis 1,5 m aufgestiegen. Der Kalkputz hatte beulenartige Ausbuchtungen und lag als Schale hohl vor der Wand. Deutlich sichtbar zeichneten sich wolkenartige Salzkrusten auf dem Innenanstrich ab. Im unteren Wandbereich war der Putz abgerieselt und zerbröselt, oberhalb der Fußleisten stellenweise so stark, dass die Ziegelsteine sichtbar wurden.

In den letzten Jahren hat es mehrere Versuche gegeben, den Wasserangriff auf das Bauwerk abzuwehren. Zunächst hatte man eine Ringdränage eingebaut, diese jedoch an die Dachentwässerung angeschlossen. Die Maßnahme erwies sich als wenig wirkungsvoll. Das durch die Blätter der umstehenden Bäume vielfach verstopfte und verschlammte Entwässerungssystem hatte durch Rückstau zu einer Bewässerung des Drainagegrabens geführt. Die Schäden wurden vergrößert. Außerdem wurden Bohrlochinjektionen angelegt. Art und Menge des Injektagemittels konnten nicht mehr ermittelt werden. Die Wirkung des Materials hatte nicht ausgereicht, um die Feuchteschäden langfristig zu vermeiden. Die Kapillarität der Mauersteine, Fugen und des Putzmörtels waren nach der Behandlung so groß, dass die Feuchtebelastung an den Verdunstungsoberflächen Putz und Mörtel durch Salzkristallisation in ihrem Gefüge zerstörte.

Gegen die Einwirkung von Spritzwasser hatte man einen Schutzsockel aus Basaltlavaplatten rings um das Gebäude eingebaut. Die Maßnahme erwies sich als wirkungsvoll und dauerhaft. Spritzwasser als Ursache für die Feuchtebelastung schied somit aus. Korrosionsschäden aus Kondensatanfall konnten wegen des dicken Mauerwerks, der permanenten Heizung und der geringen Nutzungsfeuchte ebenfalls ausgeklammert werden. Als Ursache blieb nur die aufsteigende Feuchte infolge der fehlenden Sperrlage und hygroskopische Effekte aufgrund der Versalzung.
Horizontalsperre durch Stahlplatte
Für den nachträglichen Einbau einer wirksamen und nachprüfbaren Horizontalsperre in einer Lagerfuge des Mauerwerkes standen folgende Ausführungsalternativen zur Diskussion:

  • Aufschlagen des Mauerwerkes in Abschnitten und Einlegen von Papplagen.
  • Auftrennen (trocken) mit der Kettensäge, Verkeilen des Mauerwerkes, Einlegen von Sperrlagen aus Kunststoff und Verfüllungen des Sägeschnittes mit Fließmörtel.
  • Aufschneiden (naß) mit einer Kreissäge, Verkeilen, Einlegen von Bitumenbahnen, Verpressen mit Fließmörtel.
  • Einschlagen von Chromstahlplatten
Der Bauherr entschied sich aus denkmalpflegerischen Gründen für das Einschlagen von Chromstahlplatten, da keine Substanzentnahme, wie etwa beim Aufschlagen und Aufsägen, erfolgt. Die Bausubstanz sollte schonend behandelt werden. Der Bauleiter hatte sich selbst bei anderen Baustellen davon überzeugt, dass die Erschütterungen, wie häufig behauptet, keine Risse erzeugen. Wenn die Platte eingeschlagen ist, ist die Abdichtung fertig. Es gibt kein Verkeilen oder Verfüllen von Hohlräumen. Grundsätzlich muß die Stahlplatte in Mauerdicke angeliefert und eingebaut werden. Das Verfahren ist patentiert und kann nur von Firmen ausgeführt werden, die eine entsprechende Lizenz haben. Durch Lizenzvergabe ist sowohl die Qualifikation der Betriebe und die ihres Personals als auch die Qualität der Bauausführung garantiert.

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Einschlagen der Platten
Die Platten können auch so eingeschlagen werden, dass sie auf beiden Seiten um Putzdicke überstehen, damit nicht über den Putz die Feuchtigkeit nach oben steigen kann. die Korrosionsbeständigkeit gegen Erdsäuren und Mauersalze ist durch die Legierung aus Chrom-Nickel-Molydänstahl (Werkstoff-Nr. 1.4401) gegeben. Die Wahl der Werkstoffgruppe schließt eine Gefährdung durch Chloride weitgehend aus. Die Plattendicke beträgt 1,5 mm, die Stabilität wird durch die Wellung (Amplitudenhöhe: 5 mm) erreicht. Die Platten werden so eingeschlagen (Frequenz: 1.500 Schläge/Minute), dass eine Überlappung von 2 bis 3 Wellen erreicht wird.

Wie es die räumlichen Verhältnisse des Wachthauses zuließen, wurden die Platten von außen oder innen eingeschlagen, etwa 10 cm über Standniveau der Maschinen. Eine geringere Höhe hätte es erforderlich gemacht, den Boden innen oder außen durch Schachtung tieferzulegen.

Bei der Arbeitsausführung lösten sich auf der gegenüberliegenden Seite einige wenige Mauersteine. Sie wurden mit Mörtel problemlos wieder eingesetzt. Bei den Rundungen des barocken Mauerwerkes (siehe Foto) mußten die Platten entsprechend abgetrennt werden.
Sanierputz
Als flankierende Maßnahmen ist der Putz abgeschlagen und entsprechend den Empfehlungen des WTA (Wissenschaftlich Technischer Arbeitskreis für Denkmalpflege und Bauwerkssanierung e.V.) durch einen Sanierputz ersetzt worden. Sanierputze sind werkgemischte Trockenmörtel mit einem hohen Luftporengehalt, sowie großer Salzaufnahme und Dampfdiffusionsfähigkeit. Sie haben die Eigenschaft, die nach dem Eintreiben der Platten noch im Mauerwerk vorhandene Feuchtigkeit durchdiffundieren zu lassen und die mittransportierten Salze aufzunehmen. Die Anstriche erfolgten mit Silikatfarben.
Erfolgskontrolle
Der Einbau der Horizontalsperre und das Sanierputzsystem konnten in relativ kurzer Zeit fertiggestellt werden. Eine Überprüfung des Feuchtegehaltes zwei Jahre nach der Ausführung ergab, dass das Mauerwerk bis auf die Baustoffeigenfeuchte abgetrocknet war. Der gewünschte Erfolg ist erreicht worden.
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 22.05.2012
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