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Umweltbelastungen und Schadstoffe in Innenräumen |
| Von Dipl. Ing. Michael Obeleor, biomess GmbH |
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Vielfältige Belastung
Wenn von Umweltbelastungen in Innenräumen gesprochen wird, werden häufig nur chemische Schadstoffe
genannt. Neuere Erkenntnisse und Erfahrungen zeigen aber, daß biologische und physikalische Belastungen verstärkt Beachtung finden
müssen. Nur die gleichzeitige Berücksichtigung aller relevanten Faktoren führt dazu, umweltbelasteten Menschen wirkungsvoll zu
helfen. |
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| Die nachfolgenden, kurzen Erklärungen zu ausgewählten und häufig vorkommenden Belastungen vermitteln
einen Überblick. |
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Formaldehyd
Formaldehyd ist wahrscheinlich der bekannteste Stoff, der in den meisten Wohnungen nachgewiesen werden und - in höheren Konzentrationen
- deutliche gesundheitliche Auswirkungen haben kann. Atemwegsreizungen sind das häufigste beobachtete Beschwerdebild. Erst bei
höheren Konzentrationen entstehen Kopfschmerzen und Augenreizungen.
Die Bestimmung erfolgt bevorzugt über die Raumluft. Idealerweise sollte Formaldehyd nach einer Methode des VDI (Verein deutscher
Ingenieure) gemessen werden, da Prüfröhrchen-Messungen - mit Ausnahme von orientierenden Messungen im arbeitsmedizinischen Bereich
- sich nicht als zuverlässig und genau genug erwiesen haben. Auch Messungen mit Schnelltest-Systemen auf Enzymbasis liefern meist nur
ungenügende Aussagen. Bei der VDI-Methode wird die Luft durch eine Spezialwaschflasche geleitet und das Formaldehyd in Wasser
gelöst. Die Analyse erfolgt fotometrisch. Die Konzentration der Luft wird anhand der Ergebnisse rechnerisch ermittelt. Formaldehyd wird
nach einem Grenzwert des BGA (Bundesgesundheitsamtes) beurteilt. 0,1 ppm (parts pro million, entspricht 0,1 cm³ pro m³) in der
Raumluft sollten auch unter ungünstigen Umständen nicht überschritten werden. Empfindliche Personen reagieren aber oft schon
weit unterhalb dieses Wertes. |
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Lösemittel
Viele der aus Baustoffen und Einrichtungsgegenständen ausdunstenden Stoffe werden unter dem Sammelbegriff "Lösemittel"
zusammengefaßt. Typischer Farb- oder Verdünnungsgeruch ist häufig der Auslöser, um eine Untersuchung anzufordern. Dabei
tritt meist nicht ein einzelner Stoff isoliert auf, sondern es handelt sich um ein Gemisch aus einer Vielzahl unterschiedlicher Stoffe, deren
Wirkungspotential unterschiedlich sein kann. Die Bewertung derartiger Stoffgemische ist mit einem erhöhten analytischen Aufwand
verbunden. Bei der Ermittlung von Lösemittelbelatungen sollte ein Verfahren angewendet werden, mit dem ca. 40 Stoffe vollquantitativ
bestimmt werden, um nicht nur die Wirkung einzelner Stoffe, sondern auch die des vorliegenden Stoffgemisches abschätzen zu können.
Die Einstufung der Belastungshöhe erfolgt dabei nach mehreren Arten der Beurteilung. Ein abschließender Bericht stellt diese
ausführlich und allgemeinverständlich dar. |
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Stichwort: Akute und chronische Toxizität
Eine akute Vergiftung tritt auf, wenn eine einmalige, zu hohe Dosis eines Stoffes dem Körper
zugeführt wird. Umweltschadstoffe werden demgegenüber während eines langen Zeitraumes in kleinsten Mengen kontinuierlich
aufgenommen. Die chronische Aufnahme belastet das menschliche Immunsystem gänzlich anders und die Schadstoffe unterscheiden sich stark
in ihrer Langzeiteinwirkung. Demzufolge sind auch die Vergiftungserscheinungen und das Krankheitsbild oftmals von einer akuten Vergiftung
vollkommen verschieden. Der Entstehungszeitpunkt der Krankheit und die Ursache dafür ist oft schwer auszumachen, da die Symptome meist
allmählich beginnen und sich verstärken. Bei einigen Stoffen treten solche Wirkungen durch Anreicherung in den inneren Organen ein.
So lagert sich PCB vorzugsweise im Fettgewebe ein. Eine chronische Vergiftungserscheinung zu diagnostizieren ist meist schwierig.
Umweltmediziner sind in diesem Bereich besonders ausgebildet. |
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Holzschutzmittel und Insektizide
Als Stoffgruppe mit hohem Gefährdungspotential sind Holzschutzmittel bekannt. Die Wirkungen einer Langzeitbelastung mit PCP und Lindan
lassen eine Untersuchung auf diese Stoffe angebracht erscheinen, wenn behandelte Hölzer in Innenräumen im Zeitraum bis Mitte der
80er Jahre eingebaut wurden.
PCP und Lindan wurden nach Erkennen der hohen chronischen Toxizität durch "modernere" chemische Verbindungen ersetzt, deren Giftigkeit
und Wirkung auf den Menschen zum Teil in vollem Umfang nach nicht bekannt ist. Die Bandbreite der eingesetzten Stoffe macht die Untersuchung
auf viele Einzelstoffe notwendig. Ideal zur Abschätzung einer Belastung durch Holzschutzmittel ist in einem ersten Schritt häufig
ein sogenanntes Screeningverfahren, welches 14 Stoffe untersucht und aussagefähige Werte bei einem günstigen Untersuchungspreis
liefert, der Probenahme, Analyse und Bericht einschließt. Wenn nötig, können die genauen Konzentrationen einzelner Stoffe
auch nachträglich noch exakt bestimmt werden.
Holzschutzmittel-Analysen werden im Material vorgenommen, welches mit einem Spezialbohrer oberflächennah entnommen wird.
Insektizide enthalten heute vielfach auch Pyrethroidwirkstoffe, die dem natürlichen Chrysanthemengift in der Struktur ähnlich und
derzeit vieldiskutiert sind, da ihre chronische Toxizität umstritten ist. Neben Insektiziden enthalten auch viele Wollteppichböden
Pyrethroide (sog. Eulanisierung). Pyrethroidanalysen erfolgen im Hausstaub oder in einer Materialprobe und werden in spezialisierten Laboren
untersucht, da die Wirkstoffbandbreite groß ist. Auch in diesem Fall erfolgt ein Screeningverfahren, welches eine Palette von
Wirkstoffen umfaßt. |
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Schimmelpilze
Die Ursache für einen Pilzbefall im Innenraum (sog. intramurale Belastung) ist fast immer in
erhöhter Feuchtigkeit zu suchen. Verantwortlich dafür sind in erster Linie Bauschäden wie Kältebrücken, aufsteigende
Feuchte infolge fehlender Sperrschichten oder falsch ausgeführte Wärmedämmungen. Aber auch ungenügende Lüftung
führt dazu, daß der täglich entstehende Feuchteanfall durch Körperausdunstung, Waschen und Kochen nicht genügend
abgeführt wird. Die Folge ist Befall mit Schimmelpilzen. Link Schimmelpilzbefall äußert sich oft als allergische Reaktion
des Körpers wie Rhinitis (Naselaufen), Konjunktivitis (gerötete Augenschleimhäute) oder Atemwegsbeschwerden. Wenn solche
Beschwerdebilder anhalten und nicht abklingen, liegt der Verdacht auf eine Pilzbelastung nahe und sollte untersucht werden.
Pilze gehen oft mit sehr unangenehmen Geruchsbildungen einher. Dabei ist ein Befall von verdeckten Stellen, die tief in der Baumasse liegen
können, oft die Ursache scheinbar unerklärlicher Gerüche im Haus.
Eine Messung zur Beurteilung ist mittels verschiedener Verfahren möglich. Sporenkonzentrationsmessungen erfolgen über die Raumluft
mit Spezialgeräten. Die Sporen werden dabei auf Nährböden abgeschieden und danach im Labor angezüchtet. Die Aussage
über die Art der Pilze erlaubt oft Rückschlüsse auf Ursache und Art des Befalls. Sporenkonzentrationen schwanken im
Jahresmittel stark und sind u.a. abhängig von der Witterung, Windrichtung und anderen Einflußfaktoren. Wichtig ist es deshalb, bei
Sproenkonzentrationsmessungen immer eine Vergleichsmessung an der Außenluft durchzuführen.
Eine neue Methode ist die Ermittlung über die Bestimmung typischer Pilz-Stoffwechselprodukte (sog. MVOC-Messung). Diese lassen sich in
der Raumluft nachweisen und mit Spezialverfahren ermitteln. Materialuntersuchungen und Kontaktproben liefern ergänzende Aussagen zur
Schadensermittlung. Die Suche nach den ursächlichen Feuchtestellen und Eingrenzung der Wachstumsorte wird ergänzend mit Temperatur-
und Baufeuchtemessungen durchgeführt. Abhilfemaßnahmen setzen immer dort an, wo auch die Ursachen zu suchen sind. Somit ist die
Suche nach Bauschäden immer Priorität Nr.1.
Eine Schimmelpilzsanierung ist oft relativ aufwendig, da Pilze auch hinter Tapeten, in Hohlräumen und unzugänglichen Stellen gut
gedeihen. Ein oberflächliches Entfernen der sichtbaren Fruchtkörper der Pilze ist dabei unzureichend, da die Mycelien
(Fadengeflechte) den eigentlichen Pilz bilden und tief in den Untergrund einwachsen können. Die Behandlung mit Fungiziden ist keine
Ursachenbekämpfung und die Wirkung einiger Mittel auf den Menschen unbekannt. Wirkliche Sanierung setzt primär an der
Entstehungsursache für den Befall an und erstreckt sich erst danach auf den Abtrag und Wiederaufbau von Befallstellen. |
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Fasern und Spezialmessungen
Neben den zuvor beschriebenen Messungen werden auch Ermittlungen und Bestimmungen selten vorkommender Schadstoffe und von Faserbelastungen
vorgenommen.
Nicht nur Asbest, sondern auch Mineral-, Glas- und Keramikfasern stehen im Verdacht, ein krebserzeugendes Potential zu besitzen. Zur
orientierenden Ermittlung, ob eine Faserbelastung vorliegt, können Staubuntersuchungen durchgeführt werden. Der Staub wird dazu mit
speziellen Tupfproben entnommen und im Elektronenmikroskop untersucht. Die quantifizierende und genaue Messung wird durch Sammeln von Fasern
aus der Raumluft auf spezielle goldbedampfte Filter vorgenommen, die rasterelektronenmikroskopisch ausgezählt werden. Dieses Verfahren
des VDI erfolgt nach der allgemein anerkannten Norm zur Fasermessung in Innenräumen (VDI- Richtlinie 3492 Bl.2). |
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PCB (Polychlorierte Biphenyle)
Polychlorierte Biphenyle sind eine Stoffgruppe mit insgesamt 209 verschiedenen möglichen Verbindungen, da an den zwei verbundenen
Kohlenwasserstoffringen jeweils ein bis 5 Chlor-Atome angelagert sein können.
PCB wurden in großen Mengen technisch eingesetzt und sind aufgrund ihrer Beständigkeit und Schwerflüchtigkeit in der Umwelt
weitverbreitet. Fugendichtmassen enthielten in den 60er und 70er Jahren bis zu 25% PCB als Weichmacher. Aber das Anwendungsspektrum war sehr
breit und auch Durchschreibpapier, Farben, Lacke und Flammschutzmittel enthielten beträchtliche Anteile an PCB. Kondensatoren
älterer Bauart in Elektrogeräten und Leuchtstofflampen wurden ebenfalls oft mit PCB als Dielektrikum hergestellt.
Die Verbreitung von PCB in der Umwelt findet bislang noch nicht die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. Derzeit
beschränkt man sich auf die Sanierung von öffentlichen Gebäuden, obwohl zwischenzeitlich bekannt ist, daß viele private
Häuser und Wohnungen ebenso belastet sind.
Die Stoffgruppe bedarf einer speziellen Vorgehensweise zur Ermittlung, Messung und Sanierung. Die Kenntnis um die Verbreitung in offenen
(z.B. Fugendichtmassen) und geschlossenen Systemen (z.B. in Kondensatoren) versetzt Spezialuntnehmen in die Lage, Vorschläge für
wirtschaftlich sinnvolle Vorgehensweisen zur Lokalisierung und Sanierung zu erstellen. |
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Gerüche
Gerüche können durchaus einen Krankheitswert darstellen. Die Bewohner geruchsbelasteter Wohnungen und Häuser zeigen teilweise eine
große Verunsicherung, da vielfach eine toxische Wirkung der wahrnehmbaren Stoffe befürchtet wird. Oft haben Gerüche auch die
unangenehme Eigenschaft, sich in Kleidung und Einrichtungsgegenständen festzusetzen.
Gerüche entstehen oft durch Ausgasen von Baustoffen, Verwesung von Schädlingen in Hohlräumen, Pilzbefall oder Fäulnis von
Baustoffen infolge Feuchte. Die Ermittlung ist ein Spezialgebiet das unter anderem die Ausdünstungen aus Spanplatten, den
Mineralwollebefall mit Pilzen oder die Ermittlung verschiedener Geruchsquellen infolge Verwesung in Hohlräumen (Wespennester,
Mäuse, Marderbefall) umfaßt. |
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Elektrische und magnetische Felder
Elektrische und magnetische Felder können deutliche Einflüsse auf das Wohlbefinden und die Gesundheit haben. Schlafstörungen
und Leistungsabfall sind manchmal Auswirkungen ungesunder und belasteter Schlaf- oder Arbeitsplätze. Eine spezifische
Meßgeräte-Ausstattung ist notwendig, um die verschiedenen Feldarten zuverlässig zu messen. Die objektive Beurteilung ist bei
dem derzeitigen Forschungsstand immer noch schwierig. Grenz- und Richtwerte werden kontrovers diskutiert und die Spanne zwischen den
niedrigsten empfohlenen tolerierbaren Werten und den DIN-Grenzwerten klafft um mehr als den Faktor 10.000 auseinander. Die
Abschlußberichte der Meßinstitute sollen deshalb die derzeit laufende Diskussion objektiv darstellen und Fakten aufzeigen, die es
erlauben, selbst eine Beurteilungsgrundlage und Risikoabschätzung vorzunehmen. Erfreulicherweise können Sanierungen zum Thema
"Elektrosmog" oft mit einfachen Mitteln durchgeführt werden. |
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Stichwort:
Elektrische und magnetische Felder - Reale Wirkungen oder Einbildung?
Kaum ein Thema ist medizinisch so umstritten wie die Wirkung elektrischer und magnetischer Felder. Nicht bestritten werden Effekte durch
extrem hohe Feldstärken, aber die Auswirkungen geringer Feldstärken werden von vollkommen unschädlich bis krebserregend
beurteilt. Aktuelle Forschungsergebnisse scheinen zunehmend Wirkungen auch geringer Intensitäten zu bestätigen, die
endgültigen und wissenschaftlich 100%ig abgesicherten Beurteilungsgrundlagen fehlen aber noch. Zur Beurteilung möglicher
Auswirkungen sollte nur auf wirklich fundierte Informationsquellen zurückgegriffen werden. |
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