Hoch über der Werra, auf einem Bergkegel südlich von Witzenhausen-Wendershausen, liegt Burg Ludwigstein. Der Fluss
umfließt die Burg hier in einer Schleife, als wolle er sie beschützen. Was wohl auch ein Grund für die Wahl des Standortes gewesen sein mag,
als Burg Ludwigstein 1415 im Auftrag des jungen Landgrafen Ludwig I. (1405-1458) errichtet wurde. In der Zeit um 1560-80 bekam der Innenhof
sein heutiges Gesicht in Form von reich verziertem Fachwerk, das Wohn- und Wirtschaftsflügel schmückte. Altes Gemäuer also, an dem um 1920
junge Leute Gefallen fanden und die teilweise verfallene Burg wieder neu aufbauten. Gruppen der Jugendbewegung hatten die romantische Burg als
Ziel ihrer Wanderungen entdeckt. Später bildete sich aus dieser Bewegung ein Verein zum Erhalt der Burg und des 1922 gegründeten Archivs, aus
dem 1970 eine Stiftung hervorgegangen ist, welche die Burg heute unterhält. Und zu unterhalten gibt es neben dem Archiv der Jugendbewegung
einiges, schließlich befinden sich auf der Burg noch eine Herberge mit 170 Betten, 10 Tagesräumen z.B. für Seminare, eine täglich geöffnete
Küche, ein Schwimmbad, ein Zeltplatz und ein separates Gästehaus. Für einen Ansturm von Schulklassen, Wanderern und anderen Gästen ist die
Burg also bestens gerüstet. |
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Dieser Ansturm führt zunächst einmal durch das spitzbogige Eingangstor, das bereits den ersten Blick auf das kunstvolle
Fachwerk gewährt. Das Tor ist eher schlicht gehalten, ein starker Balken dient als Türsturz, der ein offenes Holzgatter trägt. Neben dem Tor
erhebt sich der runde Turm in 25 Metern Höhe. Seine Mauer ist am Fuß 2,25 Meter stark und wird nach oben dünner. Den Zugang findet man etwa
sieben Meter über dem Hofniveau vom angrenzenden Wohngebäude aus. In den oberen Stockwerken des Turms weisen Schlüsselscharten in den
Fensterbrüstungen auf die Verwendung von Feuerwaffen hin. In einem Inventarverzeichnis der Burg von 1416 finden sich neben den traditionellen
Armbrüsten tatsächlich auch einige Handbüchsen. |
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Außenmauer und Turm sind aus rotem Sandstein errichtet. Fachwerk ziert jedoch die um den Innenhof gruppierten Gebäude,
bestehend aus Wohn- und Wirtschaftsflügel und Seitenbau. Diese wurden im Lauf der Jahrhunderte mehrmals umgebaut und sind den Außenmauer
aufgebürdet. Als Sockel dienen ebenfalls Quader aus rotem Sandstein. Darüber erheben sich jedoch Fachwerkwände, die sich beim Wohnflügel zudem
durch reiche Zierformen auszeichnen. Charakteristisch ist vor allem die Gestaltung der Pfostenbasen des Obergeschosses mit geschnitzten
Halbrosetten. Dieses Motiv wiederholt sich an der Spitzbogentür des Eingangsgeschosses und, in Stein gehauen, an einem Kamin im Innern und an
dem Treppenaufgang des gegenüber liegenden Hauses. Beim Wirtschaftsgebäude, das heute als Speisesaal dient und beim Seitenbau, dem ehemaligen
Stallgebäude, fehlt die spezielle Verzierung des Fachwerks. |
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Vom Fachwerk noch einmal zur wechselvollen Geschichte der Burg. Diese entstand, wie bereits erwähnt, 1415 als Gründung
der landgräflichen Regierung und diente jahrhundertelang der Verwaltung des nördlichen hessischen Werralandes. Als diese Verwaltungsaufgaben
wegfielen und die Burg verlassen wurde, lief sie Gefahr, allmählich zur Ruine zu verkommen. Vor dem Schicksal der Zerstörung bewahrten sie
junge Menschen, Angehörige der noch im Kaiserreich entstandenen Wandervogelbewegung. Die Burg wurde durch sie in der Weimarer Zeit Zentrum
der vor allem kulturell und pädagogisch wirksamen Jugendbewegung und Sitz ihres Archivs. Diese Ausrichtung wirkt bis heute nach. Die
Jugendburg Ludwigstein ist Außenstelle der hessischen Jugendbauhütte und von der UNESCO als Modellprojekt "Bildung für nachhaltige
Entwicklung" anerkannt worden. Sie ist ausgezeichnet mit dem Viabono-Gütesiegel für naturgerechten Tourismus und mit dem Bett&Bike-Label für
Radwanderer. Und wer auf Burg Ludwigstein standesamtlich getraut werden möchte, kann sein "Ja"-Wort ganz romantisch im Turm hoch über dem
Werratal geben.
Wer die Burg online besichtigen möchte, der kann das mit einem Klick auf www.burgludwigstein.de tun. |
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