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Erst Tuchmacher-Villa, dann Gaststätte, dann Rathaus |
Normalität ist es sozusagen, dass das prächtigste Gebäude in einer deutschen Stadt - mag sie groß oder klein sein - das Rathaus ist. Es sei
denn, irgendein Stadtschloß oder Fürstenpalais wäre vorhanden. Gerade um sich gegen Fürsten, Herzöge und sonstige Edelleute abzusetzen und den
Stolz des Bürgertums sichtbar zu machen, wurde in den vergangenen Jahrhunderten viel Geld in schöne Rathäuser investiert. Und nicht gerade
wenige dieser Rathäuser sind aus wuchtigem Fachwerk errichtet.
In Lambrecht im Pfälzerwald, unweit der Deutschen Weinstraße, befindet sich ein solch imposantes Fachwerk-Rathaus. Aber das Gebäude
wurde erst 2006 als Rathaus eingerichtet, zuvor hatte es eine ganz andere Geschichte. Das Gebäude wurde 1606/1607 von einem vorindustriellen
Tuchmacher errichtet. Die Tuchmacher spielten als eigenständige Zunft über Jahrhunderte eine wichtige Rolle in Lambrecht. Es gab die Heimweber,
die für wenig Geld viel weben mußten und dann auch die Tuchmacher, an deren hand- und fußbetriebenen Webstühlen Tuchmachergesellen
webten und webten. Das Geschäft blühte und so konnte sich dann einer aus der Zunft eine prachtvolle Stadtvilla aus Fachwerk leisten, das
allerdings verputzt worden war. |
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Wer im einzelnen das Fachwerkhaus bewohnte, ist nicht überliefert. Um 1750 war es der Schultheiß (Bürgermeister) Jacob Seib, das immerhin
weiß man. Man vermutet auch, dass in dem Fachwerkhaus zeitweise die Gaststätte "Zur Farbkipp" als Lokal der Tuchmacherzunft
untergebracht war, die bis 1979 bestand. Jedenfalls kaufte die Stadt Lambrecht 1952 das Gebäude auf, ließ den Putz abklopfen und das Fachwerk
freilegen. Und somit bekam Lambrecht ein Fachwerk-Wahrzeichen.
Erst nach gründlicher Renovierung und hofseitiger moderner Erweiterung konnte das Gebäude 2006 als "neues" Rathaus in Betrieb
genommen werden. Nun hat also auch die Stadt Lambrecht ein schönes Fachwerk-Rathaus, das sich im Sinne touristischer Vermarktung richtig gut
ausmacht. In und um Lambrecht gibt es Burgruinen und zahllose Wanderwege, einen Wildpark und reizvolle Winzerdörfer. Und speziell in den
Städten und Gemeinden an der Deutschen Weinstraße sind noch weitere, interessante Fachwerkbauten zu finden. |
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