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Das spätmittelalterliche Bordell zu Memmingen |
Memmingen im Allgäu hat großartige Fachwerkbauten zu bieten, allen voran das "Siebendächerhaus" der früheren Memminger Gerberzunft. Nicht
viel weniger imposant das Fachwerkhaus der Weber, die über Jahrhunderte zum Wohlstand von Memmingen beitrugen, denn sie webten gute Tuche,
die sich weithin verkaufen ließen. Wo die Männer gutes Geld verdienen, da sind natürlich auch die Damen nicht weit, die es ihnen wieder
"liebevoll" abnehmen - die "Hübschlerinnen", wie man sie im Mittelalter nannte.
Die Hübschlerinnen von Memmingen boten ihre Dienste in einem Fachwerkhaus an, sozusagen in einem Fachwerkbordell, das bis zur
Reformationszeit ein reichsstädtisches Bodell war. Denn Memmingen war eine freie Reichsstadt und ein Bordell gehörte damals
einfach dazu, wenn man es auch irgendwo am Stadtrand bauen ließ. So fiel dann weniger auf, dass die Zunftherren am Sonntagmorgen fromme
Lieder in der Kirche sangen, um abends mit den Gunstgewerblerinnen zu huren und zu saufen.
So war das nun mal im Mittelalter - und so ist es auch heute noch, wenn auch die Kirchenbesuche stark abgenommen haben.
Wobei wir beim Thema sind: Als das einzige Konzil auf deutschem Boden von 1414 bis 1418 in Konstanz stattfand, reisten aus
dem gesamten "Heiligen römischen Reich deutscher Nation" um die tausend Huren nach Konstanz, um die Erzbischöfe, Bischöfe,
Priester, Sekretäre und päpstlichen Beamten zu entspannen. Es waren 50.000 bis 60.000 Besucher in Konstanz und die Damen
hatten sozusagen alle Beine voll zu tun. Die Sache war durchaus auch im religiösen Sinne nicht verwerflich, denn der eine
Bischof konnte dem anderen seinen "Fehltritt" beichten und mußte zur Sühne seiner "Missetat" drei Rosenkränze beten.
Möglicherweise waren auch Memminger Hübschlerinnen ein Anlaß zum Beichten, denn zum Bodensee war es ja nicht allzu weit.
Die Memminger haben es bisher verabsäumt, aus dem Fachwerkbau ein historisches Freudenhaus-Museum zu machen. Das würde
Heerscharen von Touristen anlocken, die sich hier sicherlich lieber umsehen würden, als in den üblichen staubigen
Heimatmuseen mit altem Küchenkram, Spinnrädern und alten Werkzeugen. Die Konstanzer gehen da schon freizügiger mit
ihrer Vergangenheit um und setzten mit der "Imperia"-Statue den Konzilshuren ein Denkmal.
Pikant ist, dass das Memminger Frauenhaus unweit des Hauses des Scharfrichters steht. Beide Berufe waren verachtet, aber
notwendig. Manchmal begegnen sich Hübschlerinnen und Scharfrichter auch rein beruflich. Die bekannte Königs-Mätresse
"Madame Dubarry", die nichts anderes als eine hübsche Straßenhure war, ehe man sie dem unfähigen König Ludwig XVI unterschob,
wurde nämlich während der französischen Revolution geköpft.
Foto: www.memmingen.de
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