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Rheinisches Fachwerkhaus aus Neuss am Rhein mit Elementen der Weserrenaissance |
Geografisch haben Rhein und Weser nichts miteinander zu schaffen. Und architekturgeschichtlich eigentlich auch nichts.
Aber ein Fachwerkhaus aus Neuss am Rhein, erbaut von 1898 bis 1899, weist Elemente der Weserrenaissance auf
und wird auch noch gekrönt von einem Türmchen mit zwei Helmdächern. Grund genug, sich dieses im Wortsinne merkwürdige Fachwerkhaus einmal
näher anzusehen. Neuss kann stolz darauf sein, noch über einige innerstädtische Straßenzüge zu verfügen, die von Stadtvillen der Gründerjahre geprägt sind.
Ab 1880 setzte der Trend ein, dass sich zu Geld gekommene Kaufleute und Industrielle Häuser bauen ließen, die man heute als Patrizierhäuser
bezeichnet und die durch einen eigentümlichen Baustil, nämlich einem Durcheinander aus Historismus und Jugendstil auffallen - kitschige
Burgenromantik inbegriffen, denn man liebte es damals, der Stadtvilla ein Türmchen aufzusetzen.
Auf der Breite Str. 88 in Neuss (bei Düsseldorf) steht ein solches Patrizierhaus, das noch eine weitere Besonderheit besitzt. Der damalige
Bauherr Jacob Renner ließ dieses Gebäude nach eigenem Entwurf mit einem Fachwerk-Vorsatz errichten, wobei das Fachwerk typische Schmuckelemente
der Weserrenaissance aufweist. Da das Fachwerk keine tragende Funktion hat, sind die Balken relativ schmal und die Balkenköpfe, die der Bauherr
ebenfalls schnitzen ließ, wirken untypisch zierlich.
Aber alles in allem ist ein Gebäude
entstanden, das heute unter Denkmalschutz steht und mit seinem vierteiligen Fensterband im 1. Obergeschoss und den beiden Mini-Balkonen im 2.
Obergeschoss ein Gesamtkunstwerk ergeben, über das man ebenso lächeln wie staunen darf. Das Dachgeschoß ist natürlich auch mit Fachwerk dekoriert,
was man im Übrigen oft bei Stadtvillen aus dieser Zeit sieht. Das Türmchen auf dem Dach ist sozusagen der Punkt auf dem "i" - oder besser
gesagt: zwei Punkte auf dem "i". Denn der Bauherr hat vor 110 Jahren dem Ganzen zwei Helme aufgesetzt und Helme waren damals "in". Soldaten trugen
einen Pickelhelm, der Kaiser bei öffentlichen Auftritten auch und natürlich trugen die Polizisten einen Pickelhelm, die Beamten vom Zoll und sogar der
damalige "Bahnhofskommandant" von Neuss, dessen Hauptaufgabe darin bestand, bei Vorbeifahrt eines Zuges mit Fürsten, Herzögen, Königen, Prinzen
oder gar mit dem Kaiser und seiner "Frau Gemahlin" auf dem Bahnhsteig stramm zu stehen und zu salutieren.
Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de
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