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Das Fachwerk - ein historischer Überblick |
Lassen wir Eduard Freiherr von Sacken zu Wort kommen, der 1879 seinen "Katechismus der Baustyle"
herausbrachte, ein kleines, handliches Büchlein. Hier gibt er Antwort auf die selbstgestellte Frage: "Welche Gattungen von Holzbau sind
zu unterscheiden? 1. der reine Holzbau ohne Anwendung von Stein, 2. der Fachwerksbau, der aus Bohlen besteht, zwischen welche Mauerwerk
eingelegt ist. Die Balken bilden beim Fachwerk das ganze Gerippe, das Mauerwerk dient nur als Füllung. Die Stockwerke sind meistens nicht
senkrecht übereinander gesetzt, sondern eines tritt über das andere auf consolenartig vorspringenden Balken hervor. Die Balken des
Fachwerks bilden verschiedene, sich durchkreuzende Figuren. Die Balkenköpfe, Friese, die Consolen, welche die überragenden Balken
tragen u.s.w., sind geschnitzt und mit Pflanzenornamenten, Tier- und Menschenabbildungen oft sehr reich und geschmackvoll
ausgeschmückt." |
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| Schwelle und Balkenköpfe, historische Zeichnung |
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Was der Verfasser als "Bohlen" und "Balken" beschreibt, bezeichnet der Fachmann als Ständer
(die vertikalen Balken), weshalb man auch von Ständerbau spricht, bzw. als Schwellen (horizontale Balken). Daher auch die Redensart
"Der kommt mir nicht über meine Schwelle." Jene Schwellen, die Stockwerke (mit)tragen, werden als Stockschwellen oder als "Rähme"
bezeichnet.
Den Ständern kommt im Fachwerkbau zentrale Bedeutung zu. Ähnlich den mächtigen Masten auf großen Segelschiffen tragen sie
die Hauptlast der ganzen Konstruktion, wobei die Zimmermeister vergangener Jahrhunderte ein unglaubliches "statisches Gefühl" entwickelten,
um Fachwerkhäuser mit bis zu acht (!) "überkragenden" (vorspringenden) Geschossen bzw. Zwischengeschossen bauen zu können.
Die Balken zwischen den Ständern, die dem Haus den eigentlichen Fachwerkcharakter verleihen, bezeichnet man als Riegel, diagonale Balken
zwischen den Geschossen als Streben und schließlich die kurzen, diagonalen Balken zwischen den Riegeln bzw. zwischen Riegeln und
Schwellen als Bänder. Die Anordnung der Streben und Bänder ergibt nach Landschaft und Entstehungsperiode unterschiedliche
"Fachwerkbilder". Die bekanntesten sind das Andreaskreuz und der "Mann", dieser wiederum in verschiedenen Varianten. |
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| Riegelwerk 15. Jahrhundert |
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"Mann" und Andreaskreuz |
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Für den Fachwerkbau verwendet wurde Eichen- oder Fichtenholz, das jedoch nicht gesägt,
sondern "gebeilt" wurde. Es gehört nicht nur Körperkraft, sondern auch eine große Treffsicherheit dazu, einen Holzstamm zu
einem rechteckigen Balken zu "beilen", wobei diese Kunstfertigkeit auch heute noch von spezialisierten Zimmerleuten beherrscht wird.
Nicht weniger Kunstfertigkeit war nötig, um die Holzverbindungen herzustellen. Allenfalls Holznägel wurden verwandt, ansonsten
wurden Ständer, Schwellen und Riegel miteinander verzapft, verhalst oder verblattet.
In der Blütezeit des Fachwerkbaus wurden insbesondere die Balkenköpfe und Knaggen (auch
Kopfbänder genannt), aber auch die Stockschwellen und manchmal auch die Ständer mit Schnitzereien versehen, die meistens farbig
ausgemalt wurden. Bekanntestes Element ist hier die Fächer-Rosette, vielfach wurden auch Tiere und Menschen dargestellt.
Typisch deutsches Fachwerk: |
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| Fächer-Rosette... |
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... und kunstvoll geschnitzte Balkenköpfe |
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| Fotos: www.fotografen-online.de |
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Nun besteht ein Fachwerkhaus nicht nur aus dem Holzskelett, sondern auch aus den
Ausfachungen. Beim traditionellen Schwarzwaldhaus, das vom Prinzip her auch ein Fachwerkhaus ist, wurden die Gefache mit Holzbohlen
ausgefüllt. Im niederdeutschen Raum dominiert das Ziegelwerk, wobei hier vielfach kunstvolle Ornamente und Muster gemauert wurden.
Im oberdeutschen ("alemannischer Stil") und mitteldeutschen Raum dominiert
die Lehmausfachung, wobei der auf die Lehmschicht aufgebrachte Kalkputz in einigen Gegenden sogar mit Kratzornamenten versehen wurde.
Manchmal hat man auch Glück und es tauchen Fotos auf, die den Bau eines Fachwerkhauses zur Zeit unserer Vorfahren auf (noch
nicht vergilbten und verblaßten) Fotos zeigen. Die hier gezeigten vier Fotos sind echte
Raritäten und wir haben sie von der Website der Stadt Stemwede in Westfalen
(www.stemwede.de)
"gestohlen" - dies aber guten Gewissens, denn die Urheberrechte erlöschen ja 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, in diesem Fall eines
(unbekannten?) Fotografen. |
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© pw-Internet Solutions GmbH, Mönchengladbach, Tel. 0 21 61 - 99 36-0
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