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Fachwerk-Bauernhöfe in den deutschen Landschaften


Der Ausbruch des 30jährigen Kriegs 1618 brachte nach und nach den Häuserbau im allgemeinen und den Fachwerkbau im besonderen zum erliegen. Weite Teile Deutschlands wurden verwüstet, ganze Dörfer und Städte abgebrannt. Der

Verlust an Fachwerksubstanz ist unermeßlich

, sicherlich wurde in den Jahren 1618-48 mehr an historischer Bausubstanz vernichtet, als im 2. Weltkrieg, weil keine noch so kleine Stadt von den marodierenden Landsknechtstruppen verschont wurde.

In den Städten begann man mit dem Wiederaufbau - vorzugsweise Stein auf Stein. Die Burgen, die im späten Mittelalter teilweise Fachwerk-An- und Aufbauten erhalten hatten (Beispiel die Wartburg), hatten ausgedient. Die Fürsten bauten nun steinerne Schlösser.

Auf dem Lande hielt sich jedoch der Fachwerkbau, wobei jede Landschaft eine eigene Formenvielfalt entwickelte mit unterschiedlichsten Arten der Ausgestaltung und der Konstruktion, die die Unterschiedlichkeit städtischer Fachwerk-Baukunst noch übertraf.
Fachwerkhof in Malente-Timmdorf Gehöft in sorgfältig restauriertem Zustand
Fachwerkhof in Malente-Timmdorf
in einem 1906 erschienen Fachbuch
Dasselbe Gehöft (erbaut 1788) 1977 in sorgfältig restauriertem Zustand
Natürlich gab es keinen Bauernhof, der an Ausschmückung und Material die

großen städtischen Patrizierhäuser

übertreffen konnte. Man darf nicht vergessen, daß die Bauern kaum zu großem Reichtum gelangen konnten, weil sie Kontributionen in vielfältigster Weise an ihre Landesherren abzuführen hatten. Und wo das Geld dann doch vorhanden war, zum Beispiel im ländlichen Salzkotten, wo die Salzgewinnung zu Wohlstand verholfen hatte, da wurden dann die Gehöfte auch aufwendiger ausgestaltet.

Nicht wenige Liebhaber des Fachwerkbaus sehen in den

schlichteren, einfacheren Fachwerk-Bauernhöfen

die eigentliche, die richtige Fachwerkbauweise. Sie verweisen darauf, daß gerade die Schlichtheit und die Einfachheit der Architektur dem Auge wohltue, während die reich mit farbig bemaltem Schnitzwerk versehenen städtischen Bauten den Betrachter fast erdrückten.

Der

ländliche Fachwerkbau

erreichte im 18. Jahrhundert insbesondere zwischen 1720 und 1780 sozusagen eine ländliche Blüte. Wer sich in einem Freilichtmuseum umsieht - und man sollte es tun, denn hier wird Bauweise, Handwerk und Brauchtum unserer Vorfahren doch sehr engagiert und liebevoll vermittelt (klick - und Sie erfahren die Adressen!), der wird nicht wenige Fachwerk-Bauernhöfe sehen, die im 18. Jahrhundert entstanden sind und die vor der Vernichtung dadurch bewahrt werden konnten, daß man sie abtrug und originalgetreu im

Freilichtmuseum

wieder aufbaute.
Bauerngehöft im Freilichtmuseum Ehemaliges Bauerngehöf
Bauerngehöft im Freilichtmuseum Grefrath Ehemaliges Bauerngehöf,
aufwändig als Wohnhaus restauriert
Für viele ist der Fachwerk-Bauernhof irgendwo auf dem Lande der "absolute Traum". Übersehen werden darf jedoch nicht, daß nicht jede Fachwerkscheune und nicht jeder Fachwerk-Kuhstall zum Wohngebäude umgebaut werden kann. Gerade Scheunen und Stallungen wurden in "Billigbauweise" errichtet. Es kam einfach nur darauf an, Stroh und Heu trocken zu lagern.

Wenn auch der Begriff "Wärmedämmung" vor 250 Jahren sicherlich unbekannt war, so wußten doch die Zimmerleute sehr wohl, wie man die eigenen vier Wände dagegen abschirmt, daß die Kälte von außen in die Wohnstuben eindringt. Solche Gedanken verschwendete man jedoch nicht auf die Stallungen, denn wo Vieh auf relativ engem Raum zusammenlebt, gibt es die bekannte "

animalische Wärme

". Verwandte der Bauer für sein Bauernhaus kräftiges Gebälk, wurden Stallungen und Scheunen eher auf mageren Ständern errichtet.

Außer dem Dach mußten ja keine großen Lasten getragen werden. Das alles muß man bedenken, wenn man sich daranmachen sollte, derartige Gebäude in Wohnraum umzufunktionieren. Auf einem ganz anderen Blatt steht, daß diese landwirtschaftlichen Nebengebäude natürlich ein

Ortsbild prägen

und auch eine architektonisch eher unbeholfen wirkende Scheune durchaus erhaltenswert ist.

Leider fällt es den Landwirten heutzutage leichter, eine Scheune aus Fertigbauteilen zu errichten, als alte Fachwerk-Stallungen wieder herzustellen. Man kennt diese modernen Zweckbauten ja, die als Fremdkörper in der Landschaft herumstehen und dazu beitragen, das Landschaftsbild zu verschandeln.

Wir möchten nun dem User die Gelegenheit geben, einige

historische Bauernhöfe

aus unterschiedlichsten Landesteilen zu betrachten. Es sind ladefreundliche schwarz-weiß-Zeichnungen aus dem wunderschönen, 1906 erschienen Buch "Das Bauernhaus im Deutschen Reiche". Man mag Sie bitte als Ideengeber betrachten, als Vorlage für Neubauten und fachgerechte Restaurierungen - oder man mag sich einfach daran erfreuen, daß es so etwas Schönes gab und gottlob auch heute noch gibt.
Bauernhof im Alten Land Querschnitt durch Bauerngehöft
Bauernhof im Alten Land - Hinteransicht Querschnitt durch dasselbe
Bauerngehöft
Seitenansicht Bauerngehöft im Alten Land
Seitenansicht des Bauerngehöfts im Alten Land (Elbemündung)
westpreußisches Bauernhaus Schlesisches Bauernhaus
Darstellung des Fachwerk-Giebles
eines westpreußischen Bauernhauses
Schlesisches Bauernhaus,
im ehemaligen Kreis Wohlau
Oberdeutsches Bauernhaus Seitenansicht hessisches Bauernhaus
Oberdeutsches Bauernhaus aus Hessen, Giebel- und Seitenansicht
Alemannisches Fachwerk-Bauernhaus Giebel eines alemannischen Fachwerkshof
Alemannisches Fachwerk-Bauernhaus, Giebel- und Seitenansicht

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