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Wiederentdeckung um 1900, im Zeitalter des Historismus |
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Das 19. Jahrhundert war zwar das Jahrhundert zunächst der deutschen Romantik, dann des deutschen Biedermeier, aber dennoch konnte man mit
dem für Deutschland so typischen Fachwerkbau nicht viel anfangen - es wurden nur wenige gebaut und diese meistens auf dem Lande als
Katen, Bauernhöfe oder Scheunen. Das änderte sich erst gegen Ende des Jahrhunderts, als sich in den "Gründerjahren" neben Adel
und Offizierkorps eine neue bestimmende Klasse etablierte - das Großbürgertum.
Große Villen entstanden - und diese in einem manchmal schwer verdaulichen Baustil. Da wurde neugotisch oder neoklassizistisch gebaut.
Baustile wurden miteinander vermischt. Es enstanden Bauwerke mit Elementen des Tudor-Stils oder der typischen Schweizerhäuser.
Und eine Vielzahl dieser großbürgerlichen Villen erhielt Dachgeschosse, Erker und Türmchen aus Fachwerk. Es war die Zeit des
Historismus, des überbordenden Nationalgefühls, als Fabrikanten halb verfallene Burgen an Rhein und Mosel aufkauften und nicht
selten selbstbewußt, aber stilwidrig Fachwerkaufbauten auf das alte Gemäuer setzten.
Als der Jugendstil den Historismus durchbrach, hieß das noch lange nicht, daß man für Fachwerkaufbauten keine Verwendung mehr
gehabt hätte. Man brachte das Kunststück fertig, verschnörkelten, feingliedrigen Jugendstil mit robustem, streng geliedertem
Fachwerk zu kombinieren.
Typische Bauwerke dieser Zeit sind in den klassischen deutschen Heilbädern zu finden, aber auch in den Villenvierteln vieler Städte.
Wer z. B. durch Bremen kommt, sollte sich einen ausgedehnten Bummel durch den Stadtteil Schwachhausen gönnen. Er wird erstaunt sein,
mit welcher Kunstfertigkeit die Architekten der Jahrhundertwende Fachwerkelemente in Villen unterschiedlichster Baustile integriert haben.
Man könnte es auch so formulieren: Mischmasch mit Charme. |
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In Städten, die noch über eine gut erhaltene Fachwerksubstanz verfügten, erfolgten auch Neubauten ganz im Fachwerkstil - wenn
auch mit untypischen Beigaben wie der Satteldach-Gaube und der (wahrscheinlich später angebauten) Auslucht, wie auf dem Beispiel aus
Witzenhausen zu sehen ist. |
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