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Weitere Beiträge finden Sie in folgender Rubrik: Basis-Informationen über das Fachwerk

Bau- und Renovierungssünden im Fachwerkbau


Auf dieser Seite werden wir Ihnen, lieber User, eine ganze Reihe von Fotos vorstellen, weil man mit Abbildungen besser klarmachen kann, wo bei Neubau- und vor allem

bei Sanierungsmaßnahmen die größten Fehler

gemacht werden. Wir zeigen jeweils die Fotos und bringen darunter dann unseren Kommentar.
Fachwerk-Bauschäden Weggefaulte Schwelle
Abschreckendes Beispiel eines Fachwerk-Wohngebäudes, dessen Bauschäden immer nur

unfachmännisch geflickt

wurden (links). Das Fachwerk-Gefüge ist nur noch fragmentarisch vorhanden, die Schwelle fehlt (offenbar weggefault), ein Fenster wurde willkürlich eingesetzt, die

Bauschäden mit Ziegeln

unterschiedlichster Struktur "ausgebessert", links wurden Schäden im Mauerwerk einfach überputzt.

Das rechte Foto zeigt ein Detail: Der Ständer ist nicht mehr mit der Schwelle verbunden, die sowie nicht mehr vorhanden ist. Der untere Teil des Ständers ist vermorscht und ausgebrochen. Frage der Zeit, wann das Gebäude geräumt und abgerissen werden muß. Schade!
Zugemauerte Hofeinfahrt Unterschiedliche Fachwerk-Fassaden
Hier sehen wir (aus dem selben Ort) zwei Fachwerkgebäude in unterschiedlichem Bauzustand. Links ein ehemals ländliches Anwesen, das in geradezu sträflicher Weise "restauriert" wurde. Die

Hofeinfahrt wurde zugemauert

und verputzt und dann auch noch, um den Greuel zu vergrößern, statt weiß ockerfarben gestrichen. Die Blendrahmen der Fenster wurden (siehe dazu auch unsere Rubrik Fenster) über die Balken gesetzt. Dem Hausbesitzer ging es wohl darum, aus der ehemaligen Scheune Wohnraum zu machen. Dagegen wäre nichts einzuwenden gewesen, wenn er das Holztor als Attrappe erhalten und dahinter eine Wand gesetzt hätte incl. Wärmedämmung, wobei es nicht unüblich war und ist, in ein Tor auch Fenster einzusetzen.

Das rechte Foto zeigt, daß man die Außenhaut eines Fachwerkhauses auch in drei verschiedenen Techniken "gestalten" kann. Die

Fassade zur Straße

hin wurde verschiefert (im Bergischen Land übrigens seit Jahrhunderten verbreitet), so daß kein Fachwerk mehr zu sehen ist. Dagegen wäre auch nichts zu sagen, wenn die Giebelwand ebenfalls mit

Schieferschindeln

versehen worden wäre. Stattdessen wurden die Ausfachungen sowohl verputzt als auch ausgemauert.
Fassade unfachmännisch Betongarage am Fachwerkhaus
Durch

unfachmännische Restaurierung

wird mehr Bausubstanz zerstört als erhalten. Wie die braunen Flecken und Ausblühungen zeigen (linkes Foto), ist der Bereich der Schwelle dem Spritzwasser ausgesetzt. Eine Dauer-Durchfeuchtung des Mauerwerks und womöglich Schimmelbildung sind die Folge.

Konstruktiver Holzschutz

wäre angebracht: Das Dach weiter überkragen lassen, statt bepflanzte Rabatten bis an das Haus zu setzen lieber einen Kiesstreifen mit Drainage anlegen. Die Ausfachungen sind im übrigen nicht verputzt, sondern zugeschmiert, womöglich noch in der Weise, daß alte Putzschichten (auf mineralischer Grundlage) mit Kunstharzputz "kombiniert" wurden. Das Gebäude steht übrigens unter Denkmalschutz (!), wobei dem Inhaber offenbar nicht klar ist, daß auch der Altputz unter Denkmalsschutz fällt und fachgerecht ausgebessert werden muß.

Beim Foto rechts dürfen Sie selbst entscheiden, lieber User, was der gröbere Fehler ist - die

vorgesetzte Ziegelfassade

oder die Fertig-Betongarage, die der Nachbar einfach an das Fachwerk-Nachbargebäude angepappt hat (Bauaufsicht, wo bist Du gewesen?).
nicht stilgerechter Fachwerkbau überputztes Fachwerk
Auf diesem linken Foto sehen wir einen Fachwerk-Neubau, wie er nun nicht hätte gebaut werden sollen. Das Fachwerkgefüge hält sich an keinerlei historisches Vorbild, dementsprechend wirkt das Haus unecht. Die große Fensteröffnung im Erdgeschoß ist nicht typgerecht, das Fenster im Dachgeschoß sitzt, als hätte es ein Geometrielehrer geplant.

Die

Butzenscheiben

sollen wohl einen antiken Eindruck vermitteln, jedoch sind Butzenscheiben nicht typisch für ein Fachwerkhaus. Wenn schon antik, dann auch Antikglas (siehe Rubrik Fenster). Im übrigen ist in der gesamten Fachliteratur kein Beispiel zu finden, daß jemand in vergangenen Jahrhunderten ein Wagenrad an seine Hausfassade gehängt hätte.

Rechts ist ein Fachwerkgehöft zu sehen, dessen stilechte Renovierung ein Schmuckstück entstehen ließe. Leider ist das gesamte Fachwerk mit einer dünnen Putzschicht zugekleistert worden.
verkleidete Schlagseite Fachwerk-Stall
Man sieht immer wieder, daß

Besitzer von Fachwerkhäusern

insbesondere die Schlagseite ihres Hauses mit Platten unterschiedlichster Art verkleiden. Die dadurch entstehenden hinterlüfteten Fassaden halten zwar die Wand trocken, passen aber zum Fachwerkbau wie die Faust aufs Auge. Die bessere Lösung wäre, das Dach vorzuziehen, um den Regen abzuhalten, das Gebälk mit einem Holzschutzmittel zu versehen und die

Ziegelausmauerung wasserabweisend

, jedoch diffusionsoffen zu imprägnieren.

Das rechte Foto zeigt einen

Fachwerk-Stall

und ist eigentlich ein "gutes" Beispiel dafür, wie die reichhaltige bäuerliche Fachwerksubstanz langsam zugrunde geht, wodurch auch die harmonische Optik ganzer Dörfer vernichtet wird. Die Schwelle ist entfernt worden, nachdem sie vermorscht war. Der Ständer rechts wurde aus demselben Grund entfernt und stattdessen Mauerwerk eingezogen, das auch noch unnötigerweise verputzt wurde.
verklinkertes Fachwerk Betondecke über Einfahrt
Eigentlich schade, wenn Hausbesitzer ihr Fachwerkhaus aufwendig restaurieren, dabei aber entscheidende Fehler machen (Foto links). Die Giebelseite wurde hervorragend restauriert, der Dachgiebel verschiefert, was in dieser Form durchaus zulässig ist. Leider wurde jedoch die

Fachwerkfassade verklinkert

- und das auch noch mit unpassenden und andersfarbigen glasierten Ziegeln. Im Erdgeschoß wurde ein Betonsturz eingezogen, der auch noch überflüssigerweise rosa gestrichen wurde. Der Betonsturz hat dann zwar den Einbau eines großen, dreiflügeligen Fensters ermöglicht - aber der ursprüngliche Charme dieses Fachwerkgebäudes ist unwiderruflich dahin.

Ein paar Häuser weiter in demselben Ort eine ähnliche Situation. Auffällig hier das Mansarddach, das bei Fachwerkgebäuden unüblich ist. Hätte man die Fassade mit denselben Ziegeln verkleidet, mit denen auch das Fachwerk ausgemauert wurde, wäre der Anblick sicherlich gefälliger.

Absolut unschön und aus konstruktiven Gründen auch absolut unnötig ist, daß die überbaute Einfahrt auf einer Beton- statt auf einer Holzkonstruktion ruht. Wie in unserer Website "fachwerkhaus.de" ausführlich geschildert, waren unsere Vorfahren in der Lage, bis zu a c h t Geschosse bzw. Zwischengeschosse in Fachwerkbauweise herzustellen, die zudem auch noch Jahrhunderte überdauert haben. Es wäre ein leichtes gewesen, das einsame eine Geschoß über der Einfahrt statt auf einer Beton- auf einer

Balkendecke

anzulegen.
Hier zeigen wir zwei Fotos, wie sie gegesätzlicher nicht sein können. Links das

Rathaus von Staffelstein

auf einem Schwarz-weiß-Foto aus den späte 30er Jahren. Können Sie sich vorstellen, daß jemand auf die Idee käme, ein solches Fachwerk nur vorzutäuschen, also das schwarze Gebälk auf den weißen Putz zu malen
? Nun, das Staffelsteiner Rathaus besteht natürlich aus echtem Fachwerk. Das Foto rechts unten hingegen zeigt tatsächlich

aufgemaltes

Fachwerk - und das ausgerechnet in Nideggen (Eifel), das wir ansonsten wegen seiner schönen Fachwerkbauten in unserer Website lobend vorgestellt haben. Jeder Quartaner sieht, daß ein derartiges Fachwerk, wäre es denn echt,
Rathaus von Staffelstein Aufgemaltes Fachwerk
Rathaus von Staffelstein Aufgemaltes Fachwerk 
den statischen Anforderungen des Fachwerkbaus nicht genügen kann. Die Malerei ist zwar schön sauber ausgeführt, aber so unecht, wie nur etwas unecht sein kann. Der Hausbesitzer mag es gut gemeint haben - aber gibt es in Nideggens Verwaltung eigentlich keine einigermaßen fachkundige Bauaufsicht, die derartigen Blödsinn hätte verhindern können? Aufgemaltes Fachwerk ist nur in einem einzigen Fall tolerierbar:
bei Kulissen im Theater oder in Filmstudios.

Fazit: Nicht nur bei manchen Besitzern von Fachwerkhäusern, sondern auch in manchen Hochbauämtern unserer Gemeinden und Städte ist das Know-how über

fachgerechte Sanierung

und das Gefühl für optisch harmonische Restaurierung unterentwickelt. Wenn die hier gezeigten Beispiele und die kritischen Worte dazu beitragen, Verständnis zu entwickeln und den Blick zu schärfen, dann hat diese Website ihren Zweck erfüllt.
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 10.02.2012
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