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Umweltbelastungen und Schadstoffe in Innenräumen

Von Dipl. Ing. Michael Obeleor, biomess GmbH

  1. Vielfältige Belastung
  2. Formaldehyd
  3. Lösemittel
  4. Stichwort: Akute und chronische Toxizität
  5. Holzschutzmittel und Insektizide
  6. Schimmelpilze
  1. Fasern und Spezialmessungen
  2. PCB ( Polychlorierte Biphenyle)
  3. Gerüche
  4. Elektrische und magnetische Felder
  5. Stichwort: Elektrische und magnetische Felder - Reale Wirkungen oder Einbildung?

Vielfältige Belastung

Diagramm

Wenn von Umweltbelastungen in Innenräumen gesprochen wird, werden häufig nur chemische Schadstoffe genannt. Neuere Erkenntnisse und Erfahrungen zeigen aber, dass biologische und physikalische Belastungen verstärkt Beachtung finden müssen. Nur die gleichzeitige Berücksichtigung aller relevanten Faktoren führt dazu, umweltbelasteten Menschen wirkungsvoll zu helfen.

Die nachfolgenden, kurzen Erklärungen zu ausgewählten und häufig vorkommenden Belastungen vermitteln einen Überblick.

Formaldehyd

Formaldehyd ist wahrscheinlich der bekannteste Stoff, der in den meisten Wohnungen nachgewiesen werden und - in höheren Konzentrationen - deutliche gesundheitliche Auswirkungen haben kann. Atemwegsreizungen sind das häufigste beobachtete Beschwerdebild. Erst bei höheren Konzentrationen entstehen Kopfschmerzen und Augenreizungen. Die Bestimmung erfolgt bevorzugt über die Raumluft. Idealerweise sollte Formaldehyd nach einer Methode des VDI (Verein deutscher Ingenieure) gemessen werden, da Prüfröhrchen-Messungen - mit Ausnahme von orientierenden Messungen im arbeitsmedizinischen Bereich - sich nicht als zuverlässig und genau genug erwiesen haben. Auch Messungen mit Schnelltest-Systemen auf Enzymbasis liefern meist nur ungenügende Aussagen. Bei der VDI-Methode wird die Luft durch eine Spezialwaschflasche geleitet und das Formaldehyd in Wasser gelöst. Die Analyse erfolgt fotometrisch. Die Konzentration der Luft wird anhand der Ergebnisse rechnerisch ermittelt. Formaldehyd wird nach einem Grenzwert des BGA (Bundesgesundheitsamtes) beurteilt. 0,1 ppm (parts pro million, entspricht 0,1 cm³ pro m³) in der Raumluft sollten auch unter ungünstigen Umständen nicht überschritten werden. Empfindliche Personen reagieren aber oft schon weit unterhalb dieses Wertes.

Lösemittel

Viele der aus Baustoffen und Einrichtungsgegenständen ausdunstenden Stoffe werden unter dem Sammelbegriff "Lösemittel" zusammengefaßt. Typischer Farb- oder Verdünnungsgeruch ist häufig der Auslöser, um eine Untersuchung anzufordern. Dabei tritt meist nicht ein einzelner Stoff isoliert auf, sondern es handelt sich um ein Gemisch aus einer Vielzahl unterschiedlicher Stoffe, deren Wirkungspotential unterschiedlich sein kann. Die Bewertung derartiger Stoffgemische ist mit einem erhöhten analytischen Aufwand verbunden. Bei der Ermittlung von Lösemittelbelatungen sollte ein Verfahren angewendet werden, mit dem ca. 40 Stoffe vollquantitativ bestimmt werden, um nicht nur die Wirkung einzelner Stoffe, sondern auch die des vorliegenden Stoffgemisches abschätzen zu können. Die Einstufung der Belastungshöhe erfolgt dabei nach mehreren Arten der Beurteilung. Ein abschließender Bericht stellt diese ausführlich und allgemeinverständlich dar.

Stichwort:
Akute und chronische Toxizität

Eine akute Vergiftung tritt auf, wenn eine einmalige, zu hohe Dosis eines Stoffes dem Körper zugeführt wird. Umweltschadstoffe werden demgegenüber während eines langen Zeitraumes in kleinsten Mengen kontinuierlich aufgenommen. Die chronische Aufnahme belastet das menschliche Immunsystem gänzlich anders und die Schadstoffe unterscheiden sich stark in ihrer Langzeiteinwirkung. Demzufolge sind auch die Vergiftungserscheinungen und das Krankheitsbild oftmals von einer akuten Vergiftung vollkommen verschieden. Der Entstehungszeitpunkt der Krankheit und die Ursache dafür ist oft schwer auszumachen, da die Symptome meist allmählich beginnen und sich verstärken. Bei einigen Stoffen treten solche Wirkungen durch Anreicherung in den inneren Organen ein. So lagert sich PCB vorzugsweise im Fettgewebe ein. Eine chronische Vergiftungserscheinung zu diagnostizieren ist meist schwierig. Umweltmediziner sind in diesem Bereich besonders ausgebildet.

Holzschutzmittel und Insektizide

Als Stoffgruppe mit hohem Gefährdungspotential sind Holzschutzmittel bekannt. Die Wirkungen einer Langzeitbelastung mit PCP und Lindan lassen eine Untersuchung auf diese Stoffe angebracht erscheinen, wenn behandelte Hölzer in Innenräumen im Zeitraum bis Mitte der 80er Jahre eingebaut wurden.

PCP und Lindan wurden nach Erkennen der hohen chronischen Toxizität durch "modernere" chemische Verbindungen ersetzt, deren Giftigkeit und Wirkung auf den Menschen zum Teil in vollem Umfang nach nicht bekannt ist. Die Bandbreite der eingesetzten Stoffe macht die Untersuchung auf viele Einzelstoffe notwendig. Ideal zur Abschätzung einer Belastung durch Holzschutzmittel ist in einem ersten Schritt häufig ein sogenanntes Screeningverfahren, welches 14 Stoffe untersucht und aussagefähige Werte bei einem günstigen Untersuchungspreis liefert, der Probenahme, Analyse und Bericht einschließt. Wenn nötig, können die genauen Konzentrationen einzelner Stoffe auch nachträglich noch exakt bestimmt werden. Holzschutzmittel-Analysen werden im Material vorgenommen, welches mit einem Spezialbohrer oberflächennah entnommen wird.

Insektizide enthalten heute vielfach auch Pyrethroidwirkstoffe, die dem natürlichen Chrysanthemengift in der Struktur ähnlich und derzeit vieldiskutiert sind, da ihre chronische Toxizität umstritten ist. Neben Insektiziden enthalten auch viele Wollteppichböden Pyrethroide (sog. Eulanisierung). Pyrethroidanalysen erfolgen im Hausstaub oder in einer Materialprobe und werden in spezialisierten Laboren untersucht, da die Wirkstoffbandbreite groß ist. Auch in diesem Fall erfolgt ein Screeningverfahren, welches eine Palette von Wirkstoffen umfaßt.

Schimmelpilze

Die Ursache für einen Pilzbefall im Innenraum (sog. intramurale Belastung) ist fast immer in erhöhter Feuchtigkeit zu suchen. Verantwortlich dafür sind in erster Linie Bauschäden wie Kältebrücken, aufsteigende Feuchte infolge fehlender Sperrschichten oder falsch ausgeführte Wärmedämmungen. Aber auch ungenügende Lüftung führt dazu, dass der täglich entstehende Feuchteanfall durch Körperausdunstung, Waschen und Kochen nicht genügend abgeführt wird. Die Folge ist Befall mit Schimmelpilzen. Link Schimmelpilzbefall äußert sich oft als allergische Reaktion des Körpers wie Rhinitis (Naselaufen), Konjunktivitis (gerötete Augenschleimhäute) oder Atemwegsbeschwerden. Wenn solche Beschwerdebilder anhalten und nicht abklingen, liegt der Verdacht auf eine Pilzbelastung nahe und sollte untersucht werden.

Pilze gehen oft mit sehr unangenehmen Geruchsbildungen einher. Dabei ist ein Befall von verdeckten Stellen, die tief in der Baumasse liegen können, oft die Ursache scheinbar unerklärlicher Gerüche im Haus. Eine Messung zur Beurteilung ist mittels verschiedener Verfahren möglich. Sporenkonzentrationsmessungen erfolgen über die Raumluft mit Spezialgeräten. Die Sporen werden dabei auf Nährböden abgeschieden und danach im Labor angezüchtet. Die Aussage über die Art der Pilze erlaubt oft Rückschlüsse auf Ursache und Art des Befalls. Sporenkonzentrationen schwanken im Jahresmittel stark und sind u.a. abhängig von der Witterung, Windrichtung und anderen Einflußfaktoren. Wichtig ist es deshalb, bei Sproenkonzentrationsmessungen immer eine Vergleichsmessung an der Außenluft durchzuführen.

Eine neue Methode ist die Ermittlung über die Bestimmung typischer Pilz-Stoffwechselprodukte (sog. MVOC-Messung). Diese lassen sich in der Raumluft nachweisen und mit Spezialverfahren ermitteln. Materialuntersuchungen und Kontaktproben liefern ergänzende Aussagen zur Schadensermittlung. Die Suche nach den ursächlichen Feuchtestellen und Eingrenzung der Wachstumsorte wird ergänzend mit Temperatur- und Baufeuchtemessungen durchgeführt. Abhilfemaßnahmen setzen immer dort an, wo auch die Ursachen zu suchen sind. Somit ist die Suche nach Bauschäden immer Priorität Nr.1.

Eine Schimmelpilzsanierung ist oft relativ aufwendig, da Pilze auch hinter Tapeten, in Hohlräumen und unzugänglichen Stellen gut gedeihen. Ein oberflächliches Entfernen der sichtbaren Fruchtkörper der Pilze ist dabei unzureichend, da die Mycelien (Fadengeflechte) den eigentlichen Pilz bilden und tief in den Untergrund einwachsen können. Die Behandlung mit Fungiziden ist keine Ursachenbekämpfung und die Wirkung einiger Mittel auf den Menschen unbekannt. Wirkliche Sanierung setzt primär an der Entstehungsursache für den Befall an und erstreckt sich erst danach auf den Abtrag und Wiederaufbau von Befallstellen.

Fasern und Spezialmessungen

Neben den zuvor beschriebenen Messungen werden auch Ermittlungen und Bestimmungen selten vorkommender Schadstoffe und von Faserbelastungen vorgenommen. Nicht nur Asbest, sondern auch Mineral-, Glas- und Keramikfasern stehen im Verdacht, ein krebserzeugendes Potential zu besitzen. Zur orientierenden Ermittlung, ob eine Faserbelastung vorliegt, können Staubuntersuchungen durchgeführt werden. Der Staub wird dazu mit speziellen Tupfproben entnommen und im Elektronenmikroskop untersucht. Die quantifizierende und genaue Messung wird durch Sammeln von Fasern aus der Raumluft auf spezielle goldbedampfte Filter vorgenommen, die rasterelektronenmikroskopisch ausgezählt werden. Dieses Verfahren des VDI erfolgt nach der allgemein anerkannten Norm zur Fasermessung in Innenräumen (VDI- Richtlinie 3492 Bl.2).

PCB (Polychlorierte Biphenyle)

Polychlorierte Biphenyle sind eine Stoffgruppe mit insgesamt 209 verschiedenen möglichen Verbindungen, da an den zwei verbundenen Kohlenwasserstoffringen jeweils ein bis 5 Chlor-Atome angelagert sein können. PCB wurden in großen Mengen technisch eingesetzt und sind aufgrund ihrer Beständigkeit und Schwerflüchtigkeit in der Umwelt weitverbreitet. Fugendichtmassen enthielten in den 60er und 70er Jahren bis zu 25% PCB als Weichmacher. Aber das Anwendungsspektrum war sehr breit und auch Durchschreibpapier, Farben, Lacke und Flammschutzmittel enthielten beträchtliche Anteile an PCB. Kondensatoren älterer Bauart in Elektrogeräten und Leuchtstofflampen wurden ebenfalls oft mit PCB als Dielektrikum hergestellt. Die Verbreitung von PCB in der Umwelt findet bislang noch nicht die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. Derzeit beschränkt man sich auf die Sanierung von öffentlichen Gebäuden, obwohl zwischenzeitlich bekannt ist, dass viele private Häuser und Wohnungen ebenso belastet sind. Die Stoffgruppe bedarf einer speziellen Vorgehensweise zur Ermittlung, Messung und Sanierung. Die Kenntnis um die Verbreitung in offenen (z.B. Fugendichtmassen) und geschlossenen Systemen (z.B. in Kondensatoren) versetzt Spezialuntnehmen in die Lage, Vorschläge für wirtschaftlich sinnvolle Vorgehensweisen zur Lokalisierung und Sanierung zu erstellen.

Gerüche

Gerüche können durchaus einen Krankheitswert darstellen. Die Bewohner geruchsbelasteter Wohnungen und Häuser zeigen teilweise eine große Verunsicherung, da vielfach eine toxische Wirkung der wahrnehmbaren Stoffe befürchtet wird. Oft haben Gerüche auch die unangenehme Eigenschaft, sich in Kleidung und Einrichtungsgegenständen festzusetzen.

Gerüche entstehen oft durch Ausgasen von Baustoffen, Verwesung von Schädlingen in Hohlräumen, Pilzbefall oder Fäulnis von Baustoffen infolge Feuchte. Die Ermittlung ist ein Spezialgebiet das unter anderem die Ausdünstungen aus Spanplatten, den Mineralwollebefall mit Pilzen oder die Ermittlung verschiedener Geruchsquellen infolge Verwesung in Hohlräumen (Wespennester, Mäuse, Marderbefall) umfaßt.

Elektrische und magnetische Felder

Elektrische und magnetische Felder können deutliche Einflüsse auf das Wohlbefinden und die Gesundheit haben. Schlafstörungen und Leistungsabfall sind manchmal Auswirkungen ungesunder und belasteter Schlaf- oder Arbeitsplätze. Eine spezifische Meßgeräte-Ausstattung ist notwendig, um die verschiedenen Feldarten zuverlässig zu messen. Die objektive Beurteilung ist bei dem derzeitigen Forschungsstand immer noch schwierig. Grenz- und Richtwerte werden kontrovers diskutiert und die Spanne zwischen den niedrigsten empfohlenen tolerierbaren Werten und den DIN-Grenzwerten klafft um mehr als den Faktor 10.000 auseinander. Die Abschlußberichte der Meßinstitute sollen deshalb die derzeit laufende Diskussion objektiv darstellen und Fakten aufzeigen, die es erlauben, selbst eine Beurteilungsgrundlage und Risikoabschätzung vorzunehmen. Erfreulicherweise können Sanierungen zum Thema "Elektrosmog" oft mit einfachen Mitteln durchgeführt werden.

Stichwort:
Elektrische und magnetische Felder - Reale Wirkungen oder Einbildung?

Kaum ein Thema ist medizinisch so umstritten wie die Wirkung elektrischer und magnetischer Felder. Nicht bestritten werden Effekte durch extrem hohe Feldstärken, aber die Auswirkungen geringer Feldstärken werden von vollkommen unschädlich bis krebserregend beurteilt. Aktuelle Forschungsergebnisse scheinen zunehmend Wirkungen auch geringer Intensitäten zu bestätigen, die endgültigen und wissenschaftlich 100%ig abgesicherten Beurteilungsgrundlagen fehlen aber noch.

Zur Beurteilung möglicher Auswirkungen sollte nur auf wirklich fundierte Informationsquellen zurückgegriffen werden.

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