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Das alte Gildehaus der Brauereiknechte

Stade Knechthausen Im Norden Niedersachsens an der Unterelbe zwischen Hamburg und Cuxhaven liegt Stade. Die 45.000 Einwohner zählende Hansestadt ist die nördlichste Station der Deutschen Fachwerkstraße. Tatsächlich ist Stades Stadtkern von verschiedenen Epochen geprägt, die vom einstigen Reichtum der Hafenstadt erzählen. Neben Häusern aus Backstein, wie dem barocken Schwedenhaus, einem Speicher, der der schwedischen Garnison als Provianthaus diente, findet man im historischen Stadtkern auch Häuser aus der Weserrenaissance. Wir widmen uns jedoch heute exemplarisch dem Knechthausen. Die mit Backsteinmauerwerk gefüllten Gefache des Hauses sind typisch für die Stadt. Gedanklich wie optisch wird so der Bogen zur Norddeutschen Backsteingotik gesponnen, auch wenn das Haus ansonsten keine gotischen Elemente aufweist. Dennoch weicht die Verfüllung der Gefache etwas von den anderen Gebäuden der Stadt ab. Statt im üblichen Verbundmauerwerk sind feine Backsteinriemchen in verschiedenen Mustern verlegt. Auch das Fachwerk selber fällt auf. Es ist mit bunten Ornamenten verziert und auch die Knaggen im ersten Geschoss leuchten in hellen Farben.

Das Knechthausen ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Das hängt auch damit zusammen, dass beim großen Stadtbrand 1659 zwei Drittel der Gebäude in Stade zerstört wurden. Das Knechthausen selbst stammt aus dem Jahr 1487 und ist das älteste Gasthaus Norddeutschlands. Ab 1604 diente es als Gildehaus der Brauereiknechte. Die Brauereiknechte waren eine durchaus bedeutende Gilde, denn Bier war im Mittelalter nach Getreide und Fisch das wichtigste Handelsgut der Hanse. Und so wurde in weiten Teilen Skandinaviens und den Beneluxländern Bier aus Stade getrunken. Alsbald übernahm die Brauerknechtsgilde die Bestattung der Toten, wodurch weiteres Geld in die Taschen der Gilde floss, so dass ein beachtlicher Gildeschatz zustande kam, der heute zum Teil im Stadtmuseum im Schwedenhaus zu sehen ist. Auch heute noch betätigen sich die Mitglieder der Brauerknechtsgilde als Sargträger bei Trauerfeiern.

Bei den Brauerknechten ging es jedoch nicht nur bierernst zu. So wurde der Brauereiknechtsgilde gestattet, die Fastnacht zu feiern. Daran erinnert heute noch das Nasenschild des Knechthausen. Es zeigt „Peter Männken“, den angeblichen Gründer der Brauereiknechtgilde. Wobei das Petermännken auch eine beliebte Sagengestalt im norddeutschen Raum ist. „Peter Mennken“ ist zudem der Titel des saisonalen Faschingoberhaupts, vergleichbar mit den Karnevalsprinzen im Rheinland. Obwohl Bier, Narren und der Name eine Verbindung nahelegen, ein Bezug zum Kölner Pittermännchen, dem 10-Liter-Kölsch-Fass, besteht nach dem derzeitigen Stand der Forschung nicht.

Seit 1970 ist das Haus nicht mehr im Besitz der Brauerknechtgilde. Doch auch wenn die Pächter wechseln, ein Restaurant ist in dem schmucken Fachwerkhaus nach wie vor zu finden.

Foto: MrsMyer aus der deutschsprachigen Wikipedia, GFDL oder CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

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